Ich will Krankenschwester werden weil…

Posted in Kliniktalk
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„Ich will Krankenschwester werden weil ….ich alten und kranken Leuten helfen will“

Diesen Satz höre ich oft, sehr oft sogar. Der Traum vieler Mädchen, Krankenschwester. Sogar vor dem Büro der Schule, dort wo die neuen Auszubildenden Ihre Bewerbungsgespräche haben, sitzen die oft erst 17 jährigen …kichernd und voller Euphorie. Und das ist schön, schön mit welcher Leichtigkeit sie in einen neuen Lebensabschnitt starten wollen.

Aber weiß man eigentlich mit  17 schon, welche Verantwortung man nach dem Examen hat? Was es bedeutet, an Wochenenden zu arbeiten während andere Feiern gehen? Wie anstrengend die Ausbildung ist? 40 Stunden auf Station und zusätzlich noch lernen, von der Zelle bis zum Knochen und zurück.

Werden die Jugendlichen denn mit den Schicksalen, die sie im Laufe der Ausbildung kennenlernen fertig? Haben sie von zu Hause genug Stärke mitbekommen damit umgehen zu können oder sich mit anderen darüber auszutauschen?

Schüler sollen und werden im Dienst nicht als volle Kraft einberechnet und doch brauchen wir sie. Mehr als denje. Wie oft ist es der Fall das ein Schüler dir auf Station echt den „Arsch“ rettet und dir die Aufgaben abnehmen, die dir einfach die Zeit wegfressen?

Ich finde, Schüler werden schon während der Ausbildung verheizt. Und ich finde, es gibt Unterschiede ob du in der Krankenpflege oder Kinderkrankenpflege bist. In reinen Kinderkliniken gibt es andere Personalschlüssel und die Arbeit ist körperlich weniger anstrengend, da für belastet sie meist mehr die Psyche.In den Kliniken mit Erwachsenen Patienten arbeitet man da schon oftmals am körperlichen Limit.

Meine Tochter ist jetzt 21, seit sie 16 ist, arbeitet sie in der Pflege.Erst das freiwillige soziale Jahr, dann die 1-jährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer und jetzt die 3-jährige Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Bereits in Ihrem FSJ mit 16 wurden ihre Dinge aufgetragen die eine 16 jährige ohne Ausbildung gar nicht machen darf.

Die Pflegekräfte auf Station haben aber oft keine andere Wahl. Wer mit Herz und Seele dabei ist, möchte seine Patienten adäquat pflegen.Aber auch für „seine“ Schüler da sein. Trotzdem werden Aufgaben delegiert.Und wer hat zeitlich die meisten Ressourcen? Schüler und Praktikanten. Und dann gibt es trotzdem diese typischen Aufgaben für Schüler die es hier bei uns auf Station eigentlich nicht gibt. „Ist die Wäsche schon aufgefüllt? Sind die Zimmer schon aufgefüllt? Sind die Wäschesäcke schon weg? Sind die Verbandswägen schon geputzt? „ Eigentlich möchte ich genau das nicht, eigentlich möchte ich die junge Pflege an die Hand nehmen und nach und nach auf die großen Aufgaben nach dem Examen vorbereiten.

Oft ist es aber nicht möglich und das ist schade, traurig und erschreckend zugleich.

 

Wird unser Nachwuchs verheizt?

Viele unserer Pflegeschüler studieren noch während oder  nach der Ausbildung um nicht immer „am Bett“ bleiben zu müssen. Andere werfen in der Probezeit schon das Handtuch (was ich absolut nachvollziehen kann)   Und doch wollen noch viele junge Menschen in die Pflege.Meist basierend auf Arzt und Krankenhausserien, ohne wirklich einen Einblick in die Pflege bekommen und ohne jemals ein Praktikum absolviert zu haben.Auf Station habe ich es schon mehrfach erlebt das Praktikanten kommen, und gleich sagen: „ Also wenn ich Blut sehen muss dann falle ich um. Lieber mache ich andere Aufgaben wie füttern oder mit den Kindern spielen“

Ich habe ein bisschen im Netz nachgelesen, recherchiert wie junge Menschen zur Pflege stehen. Ich habe ein Mädchen gefunden, welches einen Account auf Instagram hat: meintraumvomhelfen                                                                                                                  Der Name ist mir direkt aufgefallen und ich habe ein bisschen im Profil gestöbert.Der Besitzer dieses Accounts ist auf jeden Fall bei den Maltesern. Ok gut dachte ich, dann ist ja schon mal ein Grundstein gelegt.                                                                                   Als ich mir dann die Bilder, die Texte durchlas war ich positiv überrascht. Wirklich tolle Texte unter den Bildern und diese gar nicht wie von einer 13 jährigen geschrieben sondern viel reifer und ich habe das Gefühl, sie ist einer der wenigen die weiß, was in der Pflege aktuell los ist und vor allem weiß was sie will. Ich bat sie um ein kleines schriftliches Interview und sie sagte sofort ja. Und hier das Interview von „meintraumvomhelfen“ (schaut doch mal bei ihr auf Instagram vorbei)

Welche Schule besuchst du?

Gymnasium

Was möchtest du mal beruflich machen? Ich weiß es noch nicht aber auf jeden Fall möchte ich entweder Ehrenamtlich oder Hauptamtlich bei Malteser sein
Bist du ehrenamtlich tätig? Ich bin in der Malteser Jugend
Was denkst du macht eine gute Krankenschwester, einen guten Krankenpfleger, Arzt oder Feuerwehrmann aus? Wenn er das gut kann und sich gut in Patienten einfühlen kann
Denkst du die Ausbildung ist schwer? Welche Ausbildung? Die zum RH denke ich schon, aber ich glaube dass ich das schaffe
Wäre es für dich ein Problem an Wochenenden oder nachts zu arbeiten? Ich bin mir nicht sicher aber ich glaube schon, als Nebenjob z.B. neben dem Studium wäre das aber OK
Kennst du jemanden der Krankenschwester, Pfleger oder Feuerwehrmann ist? Nein (Ich möchte auch keine Krankenschwester werden, wenn dann im Rettungsdienst oder so
  1. Was denkst du, muss eine Pflegekraft im Stationsalltag machen?
Ich denke waschen, kleinere Sachen wie ein Arzt machen z.B. Verbände wechseln

 

„Ich möchte wahrscheinlich nicht in den Rettungsdienst als Hauptberuf wegen der schlechten Arbeitsbedingungen, aber ich möchte als Nebenjob oder für einige Zeit in den Rettungsdienst. Feuerwehrfrau oder Krankenschwester kann ich mir nicht vorstellen. Sonst möchte ich ehrenamtlich auf SanDienste oder in den Katastrophenschutz o.ä.“

Also das man mit 13 noch nicht weiß wohin die berufliche Reise genau geht ist ja klar und es  ist wunderschön das sie mit ihren jungen Jahren schon weiß was sie möchte und was nicht. Es ist aber auch ziemlich Strange, das eine 13 jährige schon weiß, nicht in die Pflege gehen zu wollen, wegen der schlechten Arbeitsbedingungen. Wir schreiben das Jahr 2017 und wir haben akuten Fachkräftemangel. Sollten wir nicht mehr für unseren Pflegenachwuchs tun? Mehr Ausbildungsstellen schaffen und die Anforderungen überdenken? Die Ausbildung ist schwer, das stimmt aber es ist zu schaffen. Wenn man es wirklich will. Jemand der Abitur hat, dann in die Pflege geht wird meist studieren und dann sind wir wieder an dem Punkt, den ich ganz am Anfang schon erwähnt hatte. Am Bett wird mit Studium sicher nicht geblieben.

Viele fühlen sich berufen, doch nur wenige sind auserwählt Da ist ein Stück weit etwas Wahres dran.

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2 Comments

  • Reply Viktoria

    Ein wichtiger Beitrag, der mich auch sehr zum Überdenken angeregt hat. Ich sehe auch auf Station, wie sehr wir die Schüler brauchen und es ist schwer den Grat zwischen Ausbeutung und Vorbereitung auf das Kommende zu finden.
    Unsere Schüler (GuK) wissen, dass ihre Aufgaben die Körperpflege ist, sie Unterstützung bekommen, wenn sie Hilfe brauchen und für die Ordnung der Station sorgen sollen, weil das alles Aufgaben sind, die wir Examinierten auch nebenbei machen müssen.
    Meist sind sie meine rechte Hand, wir sind ein Team. Sie bekommen immer einen Examinierten pro Dienst zugeteilt, was ich super finde. Sind wir als Team schnell fertig, dann bringe ich ihnen immer alles bei, was sie für ihren Wissenstand wissen müssen. Und ich mache es sehr gerne.
    Leider, kommt es manchmal viel zu kurz, so dass ich mich bei den Schülern entschuldige und die Dokumentation als Überstunde ran hänge, nur damit ich noch ne halbe Std. für den Schüler habe. Fragen wollen gestellt werden und in Ruhe beantwortet werden. Anleitungen sind genauso wichtig.
    Es tut einem in der Seele weh.
    Ich hatte in der Ausbildung leider nie richtig jmd. an meiner Seite und dort waren die Arbeitsbedingungen 1000x besser.

    Danke, für diesen Beitrag.
    LG

    März 16, 2018 at 12:58 pm
    • Reply Frau Herzensschwester

      Es ist aktuell wirklich nicht mehr schön und schon an der Grenze der gefährlichen Pflege… wo soll das noch hinführen? Wie sollen unsere Schüler da Spass am Beruf bekommen ? …

      März 18, 2018 at 5:32 am

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